Der Neuntöter gehört zur Familie der Würger. Es gibt noch den
Raubwürger, den Rotkopfwürger und den Schwarzstirnwürger.
Die Neuntöter sieht man fast in ganz Europa mit Ausnahme von
Großbritannien, Nordskandinavien und Südspanien. Man kennt ihn
auch unter den Namen Rotrückenwürger. Er ist mit seinen 16-18cm der
kleinste unter den Würgern in Mitteleuropa, aber dafür am weitesten
verbreitet.
Der Neuntöter gehört zu den Zugvögeln und man kann ihn bei uns
in der Zeit von April bis September sehen. Die übrige Zeit verbringt
er überwiegend in Südafrika.
Der Unterschied zwischen Weibchen und Männchen kann nicht deutlicher
sein. Das Männchen hat einen blaugrauen Kopf mit schwarzer Maske und
einen kräftigen Hakenschnabel. Sein Rücken ist rostbraun, die
Unterseite ist hellrosa und der Schwanz ist schwarz mit weißen
Streifen.
Das Neuntöter Weibchen hat einen rostbraunen Kopf, Rücken und Schwanz. Das Weibchen hat hinter dem Auge einen dunklen Fleck. Die Unterseite ist hellgrau mit braun schuppenartig gezeichnet.
Der Neuntöter bevorzugt halboffene Kulturlandschaften mit Hecken, Dornenbüschen und Wildrosenbüschen wo noch Ackerbau und Viehzucht betrieben wird. Man findet ihn auch häufig an Bahndämmen und am Waldrand. Sein Nest baut er am liebsten im Dornbusch sehr dicht über dem Boden (50-100cm). Das Nest besteht aus Halmen, Wurzeln, Moos und Pflanzenwolle. Es sieht aus wie das vom Bluthänfling.
Neuntöter haben eine Jahresbrut in der Zeit von Mai bis Juli. Das Neuntöter Weibchen ist für das Brutgeschäft alleine zuständig. Sie legt 4 bis 7 Eier in den unterschiedlichsten Farben. Passend zu der Grundfarbe der Eier (rötlich, gelblich, grünlich und weisslich) gibt es eine fleckenförmige Obersprenkelung. Die Eier in dieser Farbkombination sind schon etwas besonderes.
Während der Brutzeit (14 Tage) wird das Weibchen vom Männchen mit
Nahrung versorgt. Die Nahrung der Neuntöter besteht aus Insekten,
kleinen Mäusen, Amphibien und Käfern. Das Männchen legt sich ein
Vorratslager von Nahrung für schlechte Zeiten an. Er spiest die Käfer,
Mäuse oder großen Insekten auf die Dornen in der Nähe vom Brutplatz
auf, wo sich auch schon mal das Weibchen bedient. Die Beute wird
auch aufgespießt um sie besser zu zerkleinern.
Bevor sie neue Nahrung aufnehmen, würgen sie erstmal die alten
Chitinteile von Käfern in Form eines Gewölles aus. Daher stammt
auch der Name Würger.
Das Weibchen verlässt das Nest auch schon mal um ein Bad zunehmen. Nach dem Bad muss man schon genau hinschauen was das für ein Vogel ist.
Die Aufzucht der Jungen übernehmen beide Eltern. Wenn die kleinen Neuntöter nach ca. 14 Tagen das Nest verlassen werden sie noch bis zu drei Wochen mit Nahrung versorgt. Man sieht zwischen dem Weibchen und den Jungen kaum einen Unterschied. Am deutlichsten sieht man ihn am geöffneten Schnabel. Nun zeige ich Euch einen Jungvogel der zusammen mit dem Männchen auf Nahrung ansitzt. Auf dem zweiten Bild ist das Männchen auf den Boden gestürzt um einen Käfer zu fangen, und der Jungvogel fängt sogleich an zu betteln.
Wenn man im Spätsommer frühmorgens unterwegs ist, kann man schon mal ein Weibchen was gerade aufgestanden ist und die Spinnenweben von der Nacht auf dem Kopf trägt sehen. Ausserdem sieht man auf dem Foto den kräftigen Hakenschnabel und das dunkle Auge mit der schönen Umrandung sehr gut.
Nun zum Schluss zeige ich Euch noch ein Weibchen, welches in der Morgensonne Ausschau nach Beute hält.
Unsere schönsten Beobachtungen haben wir in MVP-Lewitz und in Hamburg im NSG-Rhee gemacht.
Ich freue mich über Ihre Kommentare und Anregungen: