Ich habe ja schon auf einigen meiner Uhuseiten darüber berichtet, wie fürsorglich das Uhuweibchen mit ihren Jungen umgeht. Über das Verhalten der Uhuweibchen zu ihren Jungen könnt Ihr einiges auf meiner Seite Fütterung der Uhus nachlesen. Die ersten zwei Wochen sind für die jungen Uhus sehr wichtig. Hier lernen sie vom Uhuweibchen wie sie miteinander umzugehen haben.
Ich kann nur immer wieder betonen, dass junge Uhus untereinander keine Konflikte haben. Wenn die jungen Uhus nach ihrer Ruhephase unter dem Gefieder des Weibchen hervor kommen, wird sich erstmal bei ihrer Mutter angekuschelt. Man bekommt bei der Beobachtung sogar mit, dass die Junguhus, die im Nest am meisten bemuttert worden sind, später wenn sie auf Wanderschaft sind am meisten miteinander herumtollen. Hierzu mehr auf meiner Seite Uhus auf Wanderschaft.
Wenn junge Uhus sich unterwegs (auf Wanderschaft) begegnen, begrüßen sie sich erstmal durch das sog. Schnäbeln. Es spielt bei den kleinen Uhus keine Rolle womit sie sich gerade beschäftigen (spielen, ausprobieren oder klettern), wenn sie im Uhurevier aufeinander treffen wird sich erstmal begrüßt und dabei wird wieder geschnäbelt. Es kam auch vor, dass sie sich nach fünf Minuten an einer anderen Stelle im Revier wieder trafen und es wurde gleich wieder bei der Begrüßung geschnäbelt.
Solange die Junguhus im elterlichen Revier sind, findet die Begrüßung immer mit Schnäbeln statt, egal wie alt sie sind. Wie Ihr gleich sehen werdet haben sich schon drei begrüßt und der vierte ist im Anmarsch und wird mit Lautäußerungen empfangen. Über die Begrüßung könnt Ihr noch mehr auf meiner Seite Das Rendezvous erfahren.
Ich könnte Euch noch zahlreiche Bilder über das Schnäbeln zeigen. Aber das
alleine macht ja nicht das Sozialverhalten aus. Ich werde jetzt von zwei
Beobachtungen berichten, die mich sehr beeindruckt haben. Ich habe einen toten
Junguhu im Stacheldrahtzaun gefunden. Der kleine Uhu hat sich mit seinem
Gefieder im Stacheldrahtzaun verfangen und musste qualvoll sterben. Er war schon
über einen Tag tot. Seine beiden Geschwister saßen keine fünf Meter von ihm
entfernt. Da der kleine Uhu beringt war, rief ich den zuständigen Uhuberinger
an. Er bat mich alles so zu lassen, um sich auch ein Bild davon zu machen, wie
so etwas geschehen konnte. Als er abends dort ankam saßen die beiden Junguhus
immer noch bei ihrem toten Geschwisterchen. Nach der Besichtigung entfernte der
Beringer den toten Uhu.
Als ich am nächsten Tag zur Kontrolle hinfuhr, waren die beiden Uhus auf die
andere Seite der Waldkante gewandert. Man stellt sich die Frage, wie lange wären
die beiden Uhus dageblieben, wenn man den Toten nicht entfernt hätte? Wie groß
ist die Bindung der Uhus untereinander? Zunächst blieben diese Fragen offen.
Wochen später machte ich eine neue Beobachtung und ich traute meinen Augen nicht, was ich da zusehen bekam. Dieses Vorhaben der kleinen Uhus dauerte zwei Tage lang. Vier Junguhus versuchten aus einer Kiesgrube über den Hang nach oben herauszukommen. Der erste Versuch über den Steilhang herauszukommen ist gescheitert. Sie wollten in den nahe gelegenen Wald zu ihren Eltern gelangen. Über einen Tagesausflug vom Uhu könnt ihr Euch auf meiner Seite Der kleine Uhu informieren.
Die vier kleinen Uhus legten erstmal eine gemeinschaftliche Pause ein. Wenn die junge Uhus (6 Wochen) ca. eineinhalb Stunden in Bewegung waren, legten sie auch eine genauso lange Pause ein. Je älter die Uhus werden, umso kürzer werden ihre Pausen. Nach der Pause teilten sich die Uhus in zwei Gruppen auf. Die eine Gruppe ging zur rechten Seite in der Kiesgrube, und sie versuchten erneut über den Steilhang herauszukommen. Die andere Gruppe ging zur linken Seite der Kiesgrube und suchte dort nach einem Ausgang.
Die beiden Junguhus, die zur rechten Seite gingen, versuchten immer wieder über einen Steilhang herauszukommen. Dieses gelang ihnen dort nicht, da der Überhang zu groß war. Die beiden kleinen Uhus schauten immer wieder in den Wald, wo ihre Eltern saßen, um von ihnen eine neue Anweisung zu bekommen. Die beiden kleinen Uhus wurden von ihren Eltern noch zu anderen Stellen in der Kiesgrube geführt. Aber auch hier schafften sie es nicht. Es ist schon spät geworden. Und nun gilt meine ganze Aufmerksamkeit den beiden Uhus auf der linken Kiesgrubenseite. Über die Anweisungen gibt es mehr auf meiner Seite Wie Kommunizieren Uhus.
Die beiden Uhus auf der linken Seite haben einen sehr weiten Weg vor sich, um an die Stelle zu gelangen, an der sie die Kiesgrube verlassen können. Zwischendurch trennen sich die beiden auch mal, um den besten Weg dorthin zu finden. Auch sie schauen immer wieder in den Wald zu ihren Eltern.
Ich habe ja schon berichtet, dass Uhus, wenn sie eine Zeit lang unterwegs sind eine Pause einlegen. Sie suchen die Steilhänge immer wieder ab, um einen Ausgang zu finden. Dabei müssen sie sich oft umdrehen und ein Stück zurück gehen. Und das ist auch nicht grade ungefährlich für die kleinen Uhus. An der Abbruchkante können sich Steine lösen und eine Gerölllawine auslösen.
Es dauerte Stunden aber ich wurde für mein Warten belohnt, wie Ihr gleich sehen werdet. Einer der kleinen Uhus hat es wirklich geschafft einen Ausgang aus der Kiesgrube zu finden.
Wenn Ihr jetzt glaubt, der kleine Uhu geht in den Wald zu seinen Eltern, dann habt Ihr Euch getäuscht. Es geht hier doch um das Sozialverhalten und das wäre dann doch unsozial. Aber seht selber was jetzt geschieht.
Wie Ihr ja gerade gesehen habt ist der kleine Uhu wieder in die Kiesgrube gesprungen, um seine Geschwister zu holen. Sie legen aber zunächst wieder alle gemeinsam eine Pause ein. Leider ist es nun mittlerweile zu spät geworden um weitere Fotos zu machen.
Ich konnte aber noch beobachten, dass in der Nacht drei der kleinen Uhus die Kiesgrube verlassen haben und sich mit ihren Eltern zur Fütterung trafen. Die kleinen Uhus suchten sich in der Nacht auch einen neuen Tageseinstand. Der Vierte (der Jüngste) hat es nicht über die Abbruchkante geschafft. Das Uhuweibchen kam in der Nacht und brachte dem Jüngsten eine Ratte. Am nächsten Tag suchte der Kleine alleine am oberen Rand der Grube einen Weg um diese zu verlassen. Was ihm aber nicht gelang. Er war ja ca. 9 Tage jünger als der älteste. Erst am späten Nachmittag fing er mit seinen Kontaktrufen an. Die Kontaktrufe seiner Geschwister kamen aus dem Wald. Hierzu mehr auf meiner Seite Ruf der Junguhus.
Es vergingen Stunden und ich traute meinen Augen nicht. Ein kleiner Uhu kam fast senkrecht den Steilhang in der Kiesgrube herauf gelaufen, um zu seinem Geschwisterchen zu gelangen.
Oben angekommen wird sich erst mal mit Schnäbeln begrüßt. Dann begeben sich
beide zum Vorratslager und sie fangen an die Reste der Nacht zu fressen.
Danach wird wieder eine Ruhephase eingelegt. Es ist auch heute Abend wieder zu
spät, um noch weitere Fotos zu machen. Als die jungen Uhus ihre Pause beendet
haben, machen sie sich beide auf den Weg in den Wald. Dieses mal gehen sie nicht
über die Abbruchkante nach oben heraus, sondern nach unten und verlassen die
Kiesgrube über die LKW-Zufahrt. Ein paar Tage später
sah ich alle vier Uhus abends um 23Uhr auf einem Plateau sitzen und sie warteten
auf ihr Futter. Hier spiegelt sich das Verhalten der kleinen Uhus in einem Bild
wieder.
Ich hoffe, dass ich Euch einen kleinen Einblick geben konnte, wie es wirklich in einer Uhu-Familie zugeht. Die Frage warum die Uhus bei ihrem toten Geschwisterchen aushaarten ist für mich nun geklärt. Ich habe ja schon auf meiner Seite Gefiederstörungen bei Junguhus beobachtet, dass alle Junguhus zusammen blieben bis wir die Kranken eingefangen hatten – erst danach verließ der Gesunde Uhu das elterliche Revier.
Weitere Information über dem Uhu mit einem kleinen Steckbrief dazu findet Ihr auf meiner Seite: Der Uhu.
Ich freue mich über Ihre Kommentare und Anregungen: