Den Rotmilan (Milvus milvus) sieht man fast nur noch in Süd- und Mitteleuropa. Der Rotmilan gehört in Europa durch seine ständige Verfolgung durch den Menschen zu den seltensten Greifvögeln. Zu der Familie der Milane zählt auch noch der etwas kleinere Schwarzmilan. Mit seinen 64 cm und einer Spannweite von 175 cm ist der Rotmilan größer als der Mäusebussard oder der Fischadler. Der Rotmilan ist etwa genauso groß wie ein Kolkrabe. Rotmilane bevorzugen Buchen-, Eichen- und Mischwälder mit angrenzender Kulturlandschaft, in der sie jagen können. Der Rotmilan jagt seine Beute im Suchflug und nicht, wie viele andere Greifvögel, vom Ansitz aus. Die meisten Rotmilane leben und brüten in Deutschland und in Frankreich. Durch Vergiftungen geht ihre Anzahl immer weiter zurück und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wann man diese schönen Greifvögel noch sehen kann.
Rotmilan Weibchen und Männchen sehen gleich aus. Sie unterscheiden sich hauptsächlich in Gewicht und Größe. Das Weibchen kann schon mal 200 g mehr als das Männchen wiegen. Wie der Name schon sagt, hat der Rotmilan einen hell bräunlich bis rostroten Rücken, einen hellen Kopf mit hellen Augen, einen rosaroten gegabelten Schwanz, eine helle Schwanzunterseite, von unten helle Handschwingen, einen rosarot und schwarz gestrichelten Bauch und lange schwarze Handspitzen. Der Schnabel des Rotmilans ist gelb und bei den Jungen ist die Schnabelspitze zuerst schwarz.
Wenn man glaubt, dass der Rotmilan mit seinen roten Farben in der Natur auffällt dann hat man sich getäuscht. Er ist so gut angepasst, dass man häufig schon zweimal hinschauen muss, um ihn zu entdecken. Im Herbst, wenn viele Blätter der Bäume rot werden und der Rotmilan im Baum sitzt, dann sieht man ihn so gut wie gar nicht. Bei seiner Gefiederpflege sitzt der Rotmilan häufig auf einem Stoppelfeld. Da seine Tarnung sehr gut ist, kann er hier in Ruhe sein Gefieder pflegen.
Rotmilane gehören zu den Teilziehern. Das Überwinterungsgebiet des Rotmilans liegt im Mittelmeerraum. Der Rotmilan brütet gerne in Mischwäldern, die in der Nähe von Gewässern liegen. Man kann Rotmilane gut entlang der Elbauen beobachten. Sie bauen sich ein flaches Nest aus Ästen und Zweigen in einer Baumkrone und es wird, typisch für den Rotmilan, von innen mit Lappen, Papier und Plastiktüten ausgekleidet. Rotmilane haben eine Jahresbrut in der Zeit von März bis Juni. Werden sie am Brutplatz gestört, geben sie den Brutplatz auf und versuchen es in einem neuen Nest an einer anderen Stelle noch einmal. Der Rotmilan legt meistens 3 weiße Eier mit einer grauen und braunen Fleckung. Die Eier werden vom Weibchen alleine ausgebrütet und das Männchen versorgt sie in dieser Zeit mit Nahrung. Die Brutdauer beträgt 32 Tage. Das Weibchen bleibt die ersten Tage im Nest und hudert (wärmt) ihre Jungen. Anschließend werden die Jungen im Nest von beiden Eltern mit Nahrung versorgt.
Die Nahrung des Rotmilan ist sehr vielseitig. Sie besteht aus kleinen Säugetieren, Würmern, Käfern, Vögeln (z.B. Amseln, Drosseln, Dohlen, Tauben und kleine Singvögel) und Aas und Abfällen von z.B. Müllkippen. Während der Brutzeit sieht man das Rotmilan-Männchen von früh morgens bis spät abends am Himmel kreisen, um nach Nahrung Ausschau zu halten. Zwischendurch wird immer wieder mal eine Pause auf einem Baum in der Feldmark eingelegt. Während der Milan seine Kreise am Himmel dreht, hört man ständig seinen typischen Ruf. Der Ruf des Rotmilan ist ein jammerndes oder klagendes wiiib wiiib oder hiäh hiäh. Ich zeige Euch nun ein paar Bilder auf denen der Rotmilan auf der Suche nach Nahrung ist.
Wenn die jungen Rotmilane ausgeflogen sind, werden sie noch ca. 14 Tage mit Nahrung von ihren Eltern versorgt. Danach verlassen sie den elterlichen Familienverband. Rotmilane werden im zweiten Jahr geschlechtsreif. Junge Rotmilane schließen sich in Gruppen zusammen, und ziehen im ersten Jahr gemeinsam umher. Wenn die Bauern ihre Wiesen mähen oder ihre Felder umpflügen, sind die Rotmilane gleich zur Stelle, um die eine oder andere Maus abzustauben. Wir hatten einmal das Glück und konnten im Sommer 70 junge Rotmilane beobachten, die auf einer gerade frisch gemähten Wiese nach Nahrung suchten.
Die Reviere der Rotmilane grenzen häufig unmittelbar an Reviere von Fischadlern, Kolkraben, Seeadlern oder Habichten. Deshalb ist es keine Seltenheit, wenn sich z.B. einer der Greifvögel auf den Weg zum jagen macht, das andere Greifvögel ihm folgen, um von der Beute etwas ab zu bekommen. Ich habe bereits auf meiner Seite Der Seeadler darüber berichtet.
Wenn junge Rotmilane auf Nahrungssuche sind, müssen sie sich zwischendurch immer wieder ausruhen. Aber häufig dauert es nicht lange und die ersten Krähen sind da. Sie greifen die jungen Rotmilane solange an, bis diese aus ihrem Revier verschwinden.
Ist der Rotmilan erstmal in der Luft, hat er kaum etwas zu befürchten. Er ist ein sehr geschickter Flieger, wie Ihr gleich auf den Bildern sehen könnt. Rotmilane veranstalten mit Seeadlernl, Kolkraben, Schwarzmilanen und Bussarden richtige Flugvorführungen. Dazu ein paar Bilder.
Ich zeige Euch noch ein paar Bilder die ich bei meiner Beobachtung von Rotmilanen aufgenommen habe. Zuerst eine Gruppe junger Rotmilane mit einem Kolkraben. Auf dem nächsten Bild haben einige Milane einen Schwarm Stare und Kiebitze hoch gescheucht. Und auf dem dritten Bild seht Ihr einen Schwarzmilan und drei junge Rotmilane die nach dem Jagen eine Ruhepause einlegen.
Zum Thema Feinde des Rotmilans könnt Ihr hier noch mehr erfahren. News 2010
Zum Schluss gibt es noch ein paar Bilder.
Da ich oft Anfragen nach Steckbriefen bekomme, folgt jetzt ein kleiner Steckbrief über den Rotmilan
Größe: 64 cm
Gewicht: Männchen: 1200 g, Weibchen: 1400 g
Eier: 2-5
Brutdauer: 32 Tage
Nestlingsdauer: 52 Tage
Nahrung: Würmer, Vögel, kleine Säugetiere, Aas, Abfälle (Mülldeponien),
Alter: 25 Jahre
Feinde: Habicht, Uhu, Kolkrabe, Mensch
Ich freue mich über Ihre Kommentare und Anregungen: