Ich kann es schon gar nicht mehr hören, geschweige denn sehen, was man dem Uhu alles andichtet. Das der Fuchs und der Uhu in einem Revier leben wissen ja nicht alle. Deshalb ist es auch nicht schwer Gerüchte zu verbreiten. Der Uhu soll junge Füchse schlagen und an seine Jungen verfüttern. In Filmen wird schnell der Eindruck vermittelt, dass Uhus, sobald Füchse in der Nähe sind, diese erbeuten und an ihre Jungen verfüttern. Dass der Mensch vieles dazu beiträgt wird verschwiegen. Wenn junge Füchse ihre Eltern verloren haben z.B. überfahren im Straßenverkehr, durch Vergiftung oder durch Abschuss, verlassen sie vor Hunger vorzeitig ihren Bau und verhungern langsam. Da der Uhu auch zu den Aasfressern gehört holt er sich die jungen Füchse, so wie es in der Natur bei kranken und schwachen Tieren normal ist. Ein Uhu würde keinen gesunden Fuchs angreifen. Die Gefahr einer Verletzung für den Uhu wäre viel zu groß. Man muss wissen, das der Uhu bei seiner Nahrungsbeschaffung sehr bequem ist. Er nimmt das, was er in seinem Revier mit wenig Aufwand erbeuten kann. Und das ist bestimmt nicht ein gesunder Fuchs. Meistens sind Ratten, Mäuse, Igel, Krähen und im Winter häufig Ringeltauben seine Hauptnahrung.
Durch meine jahrelange Uhu Beobachtung habe ich junge Uhus, die das Nest verlassen haben (die auf Wanderschaft sind), an Fuchsbauten wieder gefunden. Die Fuchsbauten waren häufig nicht weiter als 200 m vom Uhunest entfernt, egal ob in der Kiesgrube oder Fuchsbauten im Wald.
In der Zeit, wenn junge Uhus auf Wanderschaft sind (ca. 2 Monate), nutzen sie die alten Fuchsbauten gerne als Tageseinstand (Versteck). Wenn vom Fuchs ständig Gefahr ausgehen würde, würde sich wohl kaum ein junger Uhu am Fuchsbau aufhalten. Die jungen Uhus mögen es am Tag lieber etwas kühler und das ist auch ein Grund warum sie in den Fuchsbau gehen. Andererseits bietet sich hier Schutz vor Krähen, Bussarden und Habichten, von denen sie häufig gemobbt werden.
Wenn es am Tag sehr heiß war kamen die Jungen erst gegen 22 Uhr aus dem Fuchsbau, weil meistens dann das Uhuweibchen mit Futter kam.
Es ist immer wieder schön anzusehen, wenn die jungen Uhus abends auf ihr Futter warten. Aber im stillen hofft man auch, dass man mal den Fuchs zu sehen bekommt, der aber schlau genug ist und nicht erscheint.
Ich habe bis jetzt einmal miterlebt, dass sich ein Fuchs am Waldrand den Junguhus, die sich auf dem Boden befanden, näherte. Sofort war das Uhuweibchen zur Stelle um ihre Jungen zu schützen. Es dauerte nicht lange und das Uhumännchen war auch zur Stelle und gab seine Warnrufe ab. Dass beide Uhueltern ihre Warnrufe gleichzeitig abgaben, hatte ich bis dahin noch nicht erlebt. Ich war mit den Uhueltern so beschäftigt, dass ich den Fuchs nicht mehr vor die Kamera bekam. Der Fuchs war sofort verschwunden und ich sah ihn dort nicht wieder, solange die Uhus da waren. Es waren wohl die Beutereste vom Uhu die den Fuchs angelockt hatten.
Als ich im Herbst die Kiesgrube aufsuchte um nach Beuteresten zu schauen staunte ich nicht schlecht, denn dort wo im Sommer der Uhu sein Sandbad nahm hat jetzt ein Fuchs seinen neuen Bau gegraben. Und der Uhu und der Fuchs sollen die größten Feinde sein!
Im Spätherbst, wenn die jungen Uhus das elterliche Revier verlassen haben und der Fuchs das ganze Revier für sich alleine hat, findet man dort, wo die jungen Uhus waren auch Fuchslosung. Und an den Fuchsbauten findet man meistens noch Uhugewölle.
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