Der Gerfalke (Falco rusticolus) ist mit seinen 60 cm der Größte und Schwerste Falke weltweit. Der Merlin (Falco columbarius) ist die kleinste Falkenart die man in Deutschland sehen kann. Den Gerfalken kann man in Nordeuropa, wie z.B. in Norwegen, in Schweden, in Finnland und auf Island sehen. Außerdem sieht man den Gerfalken In Nordamerika (Kanada, Alaska, Grönland) und in Sibirien. Und somit ist der Gerfalke von allen Falkenarten weltweit der Falke der am nördlichsten brütet. Gerfalken gehören zu den Zugvögeln. Sie sind Teilzieher. Brutgebiet: Wo brüten Gerfalken? Der Gerfalke brütet an Klippen an der Küste und in zerklüfteten Gebirgsregionen mit angrenzenden offenen Gelände, wo er auf die Jagd geht. In Skandinavien brütet er auch auf Bäumen, häufig in alten Kolkraben Nestern.
Ich habe den Gerfalken in seinem Lebensraum auf Island in der Natur besucht, um ihn über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Der Gerfalke hat in einer Bergkette mit davor liegenden offenem Gelände sein Revier gehabt, wo er seine Jungen aufzog. Ich wollte sehen ob der Gerfalke sich genauso bei der Aufzucht seiner Jungen verhält, wie der Wanderfalke den ich schon lange beobachte. Und außerdem wollte ich wissen wie der Gerfalke jagt. Als erstes viel mir die große Flügelspannweite von ca. 135 cm auf, und das die Altvögel (adulte) sehr schweigsam am Brutplatz sind. Die Flügelspannweite ist genauso groß, wie die vom Mäusebussard. Die Lebenserwartung der Gerfalken in der Natur beträgt ca.15 Jahre. Übersicht: Sucht Ihr nur das Alter, die Feinde, das Gewicht, die Nahrung, die Brutzeit, die Flügelspannweite und die Größe, dann schaut unten im Steckbrief nach.
Aussehen: Wie sieht der Gerfalke aus? Das Gerfalken Weibchen und Männchen sehen gleich aus. Das Weibchen ist wie bei allen Falken größer und schwerer. Die Gerfalken sehen in ihrem Gefieder sehr unterschiedlich aus. Je nach Standort des Brutvogels, ist der Gerfalke im Gefiefer sehr weiß, z.B.Grönland. In Norwegen, Schweden und Nordfinnland sind die Gerfalken dagegen dunkel. Auf Island kommen beide Arten vor. Die Gerfalken, die wir auf Island beobachtet haben, waren nicht ganz hell. Sie hatten ein hellgraues bis blaugraues Obergefieder und die Unterseite war weiß mit leicht dunkler Querbänderung, dunkle Augen mit einem gelben Augenring, einen kräftigen Schnabel mit dunkler Spitze und gelbe Beine und Füße mit kräftigen Krallen wie bei allen Falkenarten. Bei den hellen Gerfalken (helle Morphe) sieht man den typischen Backenstreifen von Falken kaum oder gar nicht. Aber seht selber auf dem Foto/Bild.
Die Balz vom Gerfalken findet wie beim Wanderfalken schon im Februar statt. Ich kann mir gut vorstellen, das die Balz genauso zwischen dem Gerfalken-Paar verläuft, wie die Balz der Wanderfalken. Falken bauen sich keine eigenen Nester. Auf Island konnten wir in einem schon verlassenen Gerfalken-Revier sehen, das die Gerfalken in einem Kolkrabennest gebrütet haben. Wenn sie kein fremdes Nest finden, scharren sich die Falken z.B. eine Mulde auf einem Klippenvorsprung in einer Gebirgskette. Wann brüten Gerfalken? Die Eiablage der Gerfalken erfolgt Ende März/Anfang April. Gerfalken legen 4-6 Eier. Es werden aber meistens nur 2-4 Eier ausgebrütet. Die Brutdauer/Brutzeit beträgt wie bei den Wanderfalken ca. 34 Tage. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Gerfalken Männchen genauso am Brutgeschäft beteiligt ist wie bei den Wanderfalken (demnächst Brutverhalten der Wanderfalken). Die Nestlingszeit (Nesthocker) beträgt ca.50 Tage. Beide Eltern versorgen ihre Jungen mit Nahrung. Jetzt zeige ich Euch erstmal ein Foto/Bild, auf den vier junge Gerfalken im Nest (Horst) zusehen sind.
Die Nahrung der Gerfalken besteht aus Singvögeln, Alpenschneehühnern, verschiedenen Entenarten, verschiedenen Taucherarten, verschiedenen Limikolen, verschiedenen Möwenarten und Säugetieren (Schneehasen Lemminge). Ich habe den Gerfalken über einen längeren Zeitraum auf Island in seinem Revier bei seiner Jagd beobachtet um Informationen zu sammeln. Es war sehr spannend, in der frühen Morgenstunde (5 Uhr), wenn der Gerfalke über mich hinweg auf seine Beute zuflog. So konnte ich auch gut sehen, was für einen Vogel der Gerfalke auf Island zum Nest (Horst) brachte. Tauben, die bei uns in der Stadt am meisten vom Wanderfalken gejagt werden sind auf Island sehr selten. Außerdem konnte ich in der Zeit meiner Beobachtungen sehen, das die Gerfalken genauso auf die Jagd gehen wie die Wanderfalken. Die Gerfalken gingen kaum im Sturzflug auf ihre Beute los, sondern sie gleiteten von ihrem Ansitz herunter und kurz vor ihrer Beute flogen sie dicht über dem Boden die Beute an. Die Treffsicherheit beim ersten Anflug der Beute war bei den Gerfalken höher als die der Wanderfalken bei uns in Hamburg. Ich zeige Euch ein paar Fotos/Bilder, auf denen Ihr Gerfalken bei ihrer Nahrungssuche sehen könnt.
Ich werde Euch jetzt über meine Beobachtungen von der Fütterung von vier jungen Gerfalken auf Island berichten. Es waren vier junge Gerfalken Weibchen im Nest (Horst). Und die können morgens (5 Uhr), wenn sie Hunger haben gewaltig schreien. Die Stimme, der Ruf bei Gerfalken ist ein aufgereihtes kijak,kijak oder gik, gik. Man muss es schon selber miterleben, wie laut die Rufe/Stimmen am Nest sind, wenn vier junge Gerfalken, die über Nacht ausgehungert sind gemeinsam schreien, Sie stehen morgens alle gemeinsam an einer Kante vom Brutplatz und Rufen, umso lauter, wenn sie sehen dass das Weibchen mit Beute angeflogen kommt. Und jetzt stellt Euch einmal vor ein Jungvogel bekommt nur die Beute. Was machen die drei anderen jungen Gerfalken? Dazu zeige ich Euch einige Fotos/Bilder.
Wenn einer geglaubt hat, jetzt gibt es die große Kloppe um die Beute, dann hat er sich getäuscht. Ich habe bei meinen ganzen Beobachtungen von Greifvögeln noch nie gesehen das sich junge Greifvögel im Nest um Beute zanken und aufeinander losgehen. Andersherum sehe ich bei meinen Beobachtungen, das Greifvögel sehr sozial eingestellt sind und untereinander im Nest eine feste Bindung haben. Man sieht es daran, das die Jungvögel untereinander sehr häufig schnäbeln und sich gegenseitig das Gefieder putzen. Es wird sich auch bei gegenseitiger Anerkennung an den Füßen geknabbert. Ich werde Euch noch einige Fotos/Bilder von einer Fütterung zeigen, auf denen zusehen ist, das ein Junges die Beute bekommt und die anderen jungen Gerfalken schauen zu.
Wie Ihr sehen konntet gab es auch hier kein Gezanke bei den Jungvögeln um die Beute. Hin und wieder sah es so aus als ob ein Geschwisterchen fragen würde: „Bekomme ich etwas von der Beute ab?“ Das Gerfalken Männchen kam während meiner Beobachtungen nicht zur Fütterung ans Nest, im Gegensatz zu dem Wanderfalken Männchen in Hamburg. Lag es daran, dass das Gerfalken Männchen zu klein war und er sich von den vier jungen Weibchen bedrängt fühlte, wenn sie angestürmt kamen? Ich glaube ja. Beim Wanderfalken Männchen in Hamburg waren es nur zwei junge Männchen. Das Gerfalken Weibchen flog häufig zum Männchen hin und holte die Beute ab. Es waren meistens Entenküken, Gänseküken, Küstenseeschwalben, Goldregenpfeifer und Rotschenkel. Am Brutplatz der Gerfalken sah es aus wie auf einem Schlachtfeld. Sogar in der Vegetation in der Nähe vom Brutplatz lagen viele Beutereste, die zum Teil vom Wind dort hin getragen wurden, herum.
Ich wollte bei den Gerfalken sehen, ob es Parallelen zwischen Wanderfalken und Gerfalke bei der Beutebeschaffung und bei der Aufzucht ihrer Jungen zusehen gibt. Bei der Nahrungsbeschaffung gibt es viel Übereinstimmung mit den Wanderfalken. Und wie sieht es bei der Fütterung aus? Auch hier gibt es einige Übereinstimmungen. Zwei Übereinstimmungen vom Wanderfalken und Gerfalken fielen besonders auf. Als erstes: Das Gerfalken Weibchen hat morgens bei der ersten Fütterung ihre vier Jungen, die kurz vor dem ausfliegen standen, noch selber gefüttert. Und wie das aussah zeige ich Euch anhand einiger Fotos/Bilder.
Als das Weibchen ihren vier Jungen die Nahrung zugeteilt hatte, flog sie ab und anschließend fraßen die vier jungen Gerfalken gemeinsam an der übrig gebliebenen Beute weiter. Ohne Geschrei und Gedrängel. Nach dem großen Fressen kehrte erstmal Ruhe ein, und die jungen Gerfalken fingen an sich das Gefieder zu putzen. Wie sehen junge Gerfalken aus? Ihr Gefieder ist sehr unterschiedlich, je nach Standort (Brutort). Es gibt junge Gerfalken bei denen das Untergefieder schon mehr weiß, als bei anderen aufweist. Auf den Bildern könnt Ihr hier sehen, das alle Jungen ein dunkles Obergefieder (wie die jungen Wanderfalken) und eine längsgebänderte Unterseite (wie die jungen Wanderfalken) haben.
Nun zur zweiten Übereinstimmung mit den Wanderfalken, die ich beobachtet und dokumentiert habe. Ich habe lange überlegt, ob man so eine Beobachtung veröffentlichen kann. Dann habe ich mir gesagt: „Man kann nicht nur über die schönen Dinge in der Natur berichten“. Zuerst habe ich es bei den Wanderfalken und jetzt bei den Gerfalken gesehen. Kurz vor dem ausfliegen bringen die Eltern ihren Jungen lebende Beute ins Nest (Horst) und die jungen Falken versuchen diese zu töten. Was aber nicht immer sofort gelingt. Ich habe Fotos/Bilder, auf denen man sehen kann, wie die Beute aus dem Nest flüchtet und anschließend vom Gerfalken (adulte) neu eingefangen wird, um dann erneut ins Nest gebracht zu werden. Ich zeige Euch hier nur ein Bild aus der Serie, auf der zusehen ist,dass das Gerfalken Weibchen lebende Beute ins Nest bringt.
Jetzt folgen einige Bilder von den Jungen die ihre Flugmuskeln trainieren und das Beute greifen üben. Es machte immer Freude den Jungen bei ihren Aktivitäten zu zuschauen. Gerfalken sieht man nicht alle Tage und so beobachtete ich sie häufig über die ganze Nacht. Nachts konnte ich miterleben, das sogar die Sumpfohreule und der Polarfuchs direkt unmittelbar am Brutplatz vom Gerfalken Vögel jagten. Das Gerfalken Weiben saß nicht allzu weit davon in der Felswand und schaute seelenruhig dabei zu. Das hätte es beim Wanderfalken nicht gegeben. Bei meinen Beobachtungen hörte ich nachts häufig die Eistaucher, die Goldregenpfeifer, die Regenbrachvögel, das hölzerne knurren der auffliegenden Alpenschneehühner, die Bekassiene, die Uferschnepfen und die Rotschenkel rufen. Außerdem verschiedenes Enten- und Gänsegeschnatter. Denn in unmittelbarer Nähe war ein Feuchtgebiet indem sich das Männchen in einer Felswand aufhielt. Hier jagte das Männchen seine Beute.
Außer Lachmöwen und Küstenseeschwalben flogen keine anderen Möwenarten im Revier vom Gerfalken. Die Kolkraben, die man überall auf Island sah, ließen sich im Revier vom Falken nicht sehen. Man hörte sie nur von weitem. Die Schneeammer war bei meinen Beobachtungen ein ständiger Begleiter. Ich werde Euch zum Schluss noch einige Fotos/Bilder vom Gerfalken zeigen. Auf einem Bild sitzt der Gerfalke morgens bei Sonnenaufgang und würgt sein Gewölle hoch. Dieses hochwürgen von Gewölle habe ich schon bei vielen Falkenarten dokumentiert.
Weiterhin viel Spaß auf meinen Seiten, wie z.B. Besonderheiten aus der Vogelwelt oder Vogelarten mit Namen.
Da ich oft Anfragen nach Steckbriefen bekomme, folgt jetzt ein kleiner Steckbrief über den Gerfalken.
Größe: Weibchen 60 cm, Männchen 52 cm
Gewicht: Weibchen 1900g, Männchen 1200g
Flügelspannweite: 135 cm
Eier: 2-6
Brutdauer: 34 Tage
Nestlingszeit: 50 Tage
Nahrung: Vögel, Lemminge, Schneehase, Ziesel
Alter: 15 Jahre
Zugvogel: Ja
Feinde: Polarfuchs, Falken, Kolkrabe, Uhu, Mensch
Weitere Artensteckbriefe für Bio und Informationen zum Thema Gerfalken und
Steckbriefe über Falken, unter Falken.
Wollt Ihr zum Thema, Wissen der Vögel etwas erfahren, dann besucht meine Seiten: Was wissen Vögel und Intelligente Krähe. Meine Seite ist für Projekte im Kindergarten und in der Schule für Vorträge in Biologie, in Zoologie, im Sachkundeunterricht, für Arbeitsblätter und für Referate im Biologieunterricht sehr beliebt. Für Vorschule und Grundschule gibt es extra Vogelseiten, z.B. mit Küken-Bildern oder mit Vogel-Portraits.
Unsere schönsten Vogel-Beobachtungen haben wir in Europa auf Island, in Skandinavien (Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark), in Holland, in Österreich, in Frankreich, in Deutschland in Hamburg, in Bremen, in Schleswig-Holstein, in NRW, in Mecklenburg-Vorpommern, in Brandenburg, in Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen gemacht.
Beobachtungen, Fotografien, Vogel-Bilder und Autor: Gerhard Brodowski Hamburg
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